Sprachentwicklung im Kita-Alter: Meilensteine nach Alter, Warnsignale erkennen, Fördertipps für zuhause – und worauf Sie bei der Kita-Wahl achten sollten.
Ein verbreiteter Orientierungswert: Wenn ein Kind mit 24 Monaten weniger als 50 Wörter spricht und noch keine Zwei-Wort-Sätze bildet, spricht man von einem Late Talker. Etwa die Hälfte dieser Kinder holt bis zum dritten Geburtstag von allein auf. Der richtige Zeitpunkt für ein Gespräch mit der Kinderärztin ist trotzdem sofort – nicht, weil es dringend wäre, sondern weil eine frühe Abklärung (vor allem des Hörvermögens) unkompliziert ist und Sicherheit gibt.
Nein. Mehrsprachig aufwachsende Kinder entwickeln sich nicht langsamer, sie verteilen ihren Wortschatz nur auf mehrere Sprachen. Wer den Wortschatz über alle Sprachen zusammenzählt, findet in der Regel keinen Rückstand. Eine echte Sprachentwicklungsstörung zeigt sich immer in allen Sprachen eines Kindes – wenn ein Kind in einer Sprache altersgemäß spricht, liegt keine Störung vor.
Fragen Sie bei der Besichtigung nach dem Sprachförderkonzept: Wird alltagsintegriert gefördert oder in separaten Förderstunden? Gibt es Beobachtungsbögen, und werden Sie über deren Ergebnisse informiert? Wie geht die Kita mit Mehrsprachigkeit um – als Ressource oder als Problem? Achten Sie außerdem auf den Betreuungsschlüssel: Sprachförderung im Alltag braucht Erzieher:innen, die Zeit für Gespräche haben.
Ja, bei ärztlicher Verordnung. Die Kinderärztin oder ein Facharzt stellt ein Rezept für Sprachtherapie aus, die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten. Für Kinder unter 18 Jahren fällt keine Zuzahlung an. Der übliche Weg führt über die U-Untersuchungen oder ein gezieltes Gespräch in der Praxis.
Nehmen Sie Ihre Beobachtung ernst. Sie erleben Ihr Kind in Situationen, die die Kita nicht sieht. Bitten Sie um ein Entwicklungsgespräch und fragen Sie konkret nach den Beobachtungsbögen. Unabhängig davon können Sie jederzeit selbst einen Termin bei der Kinderärztin vereinbaren – dafür brauchen Sie keine Empfehlung der Kita.
Direktes Verbessern hilft meist nicht und kann die Sprechfreude bremsen. Wirksamer ist das sogenannte korrektive Feedback: Sie greifen auf, was das Kind sagen wollte, und geben es richtig zurück. Sagt Ihr Kind „Da Hund lauf!“, antworten Sie „Ja, da läuft ein Hund!“ – ohne Hinweis auf den Fehler. Das Kind hört die richtige Form, ohne sich korrigiert zu fühlen.